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Forschungsprojekt CAPA – Kommunikationshilfe bei Aphasie

Forschungsprojekt CAPA von neolexon als Kommunikationshilfe bei Aphasie

CAPA - Communication support through AI to increase the participation in aphasia

Kommunikation stellt einen wesentlichen Bestandteil des täglichen Lebens dar und ist eine Grundvoraussetzung für ein erfülltes Leben (Bueno-Guerra et al., 2023; Preetha & Perumal, 2022). Sie wird benötigt, um zwischenmenschliche Beziehungen eingehen und aufrecht erhalten zu können. Die Beeinträchtigung oder der Verlust der Kommunikationsfähigkeit kann sich negativ auf das psychische Wohlbefinden und auf die zwischenmenschlichen Beziehungen mit anderen auswirken und zu sozialer Isolation führen (Mitchell et al., 2021; Preetha & Perumal, 2022; Shrubsole et al., 2022).

Grund für die Beeinträchtigung der Kommunikationsfähigkeit kann eine Aphasie, eine neurologisch bedingte Sprachstörung sein (Mitchell et al., 2021; Shrubsole et al., 2022). Im Rahmen dieser kann es zu erheblichen Beeinträchtigungen der vier sprachlichen Modalitäten Sprechen, auditives Verstehen, Lesen und Schreiben kommen (Bueno-Guerra et al., 2023; Schneider et al., 2014). Menschen mit Aphasie haben Schwierigkeiten persönliche Informationen, Ideen, Meinungen, Gedanken oder Gefühle in alltäglichen Situationen auszudrücken (Hammond et al., 2025). Einhergehend mit der beeinträchtigten Kommunikation nimmt die Teilnahme am täglichen Leben ab (Georgiou & Kambanaros, 2023). Zudem können die vielfältigen Beeinträchtigungen, die mit einer Aphasie einhergehen, zu einer Verschlechterung der Lebensqualität führen (Bueno-Guerra et al., 2023 ; Filipska-Blejder et al. 2023).

Kommunikationshilfen stellen eine Möglichkeit dar, wie die beeinträchtigte Kommunikation von Menschen mit Aphasie unterstützt werden kann. Durch sie haben Menschen mit Aphasie die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse auszudrücken und wieder besser mit anderen Personen in Kontakt treten und kommunizieren zu können (Huang et al., 2021; Russo et al., 2017). Insbesondere elektronische Kommunikationshilfen können für Menschen mit Aphasie einen wertvollen Beitrag für die Kommunikation liefern. Die Nutzung solcher Hilfen im Alltag kann helfen, die Sprachfunktion und die soziale Teilhabe in verschiedenen Situationen zu verbessern (Russo et al., 2017).

Ziel des Forschungsprojekts

Im Rahmen des Projektes wird eine intelligente, mobile Kommunikationsapplikation für Menschen mit Aphasie entwickelt. Die Applikation soll die Kommunikation zwischen Betroffenen und ihren Kommunikationspartnern unterstützen. Menschen mit Aphasie sollen die Möglichkeit bekommen, sich und ihre Bedürfnisse mitzuteilen und an der Gesellschaft teilhaben zu können.

Durch die Anwendung moderner KI-Systeme zur Spracherkennung und Antwortgenerierung werden sowohl das Sprachverständnis als auch das aktive Sprechen unterstützt. Dabei kann mithilfe verschiedener Modalitäten (Schrift, Bild, Symbole) auf unterschiedlichen Ebenen kommuniziert werden. Die Inhalte werden durch den Einbezug des Kontexts, der sprachlichen Fähigkeiten und der Nutzungseigenschaften individuell an die nutzende Person angepasst. Ziel ist es, Menschen mit Aphasie durch CAPA ein selbstständigeres und aktiveres Leben zu ermöglichen. Dadurch soll auch die Lebensqualität verbessert und die aktive Teilhabe in sozialen Situationen ermöglicht oder unterstützt werden.

Im Rahmen des Forschungsprojekts werden die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von KI bei Aphasie systematisch ausgelotet. CAPA kann so auch zu einer aktuellen Debatte innerhalb der Aphasieforschung beitragen. Bei der Entwicklung der KI-Modelle werden wir von unseren Projektpartnern des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT) unterstützt.

Förderer und Partner

Dieses Forschungsprojekt ist eine Zusammenarbeit zwischen der Limedix GmbH (neolexon), dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) und dem Johanniter-Krankenhaus Stendal.

Logo des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung
Logo des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie
Johanniter Krankenhaus Stendal

Das Projekt wird im Rahmenprogramm „Gesundheitsforschung“ vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert und durch das VDI Technologiezentrum unterstützt (Förderkennzeichen: 13GW0797A).

Logo Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Logo VDI

Kontakt

Dr. Theresa Schölderle

Dr. Theresa Schölderle

Leitung Forschungsprojekt CAPA

Dr. Theresa Schölderle ist Sprachtherapeutin mit langjähriger Erfahrung in der Forschung zu neurogenen Kommunikationsstörungen. 

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Quellen

Bueno-Guerra, N., Provencio, M., Tarifa-Rodríguez, A., Navarro, A., Sempere-Iborra, C., Jordi, P., de Celis-Ruiz, E., Alonso de Leciñana, M., Martín-Alonso, M., Rigual, R., Ruiz-Ares, G., Rodríguez-Pardo, J., Virués-Ortega, J. & Fuentes, B. (2023). Impact of post-­ stroke aphasia on functional communication, quality of life, perception of health and depression: A case–control study.  european journal of neurologgy, 31(4). https://doi.org/10.1111/ene.16184

Filipska-Blejder, K., Zielińska, M., Wiśniewski, A. & Ślusarz, R. (2023). How Does Aphasia Affect Quality of Life? Preliminary Reports. Journal of Clinical Medicine, 12(24), 7687. https://doi.org/10.3390/jcm12247687 

Georgiou, A. M. & Kambanaros, M. (2023). Therapies and Challenges in the Post-Stroke Aphasia Rehabilitation Arena: Current and Future Prospects. Medicina, 59(9), 1674. https://doi.org/10.3390/medicina59091674

Hammond, L., Christensen, T., Fridriksson, J. & den Ouden, D. B. (2025). Assessing Functional Communication in Persons With Aphasia: A Scoping Review of Formal and Informal Measures. International Journal of Language & Communication Disorders, 60:e70051. https://doi.org/10.1111/1460-6984.70051

Huang, L., Kay Chen, S.-H., Xu, S., Wang, Y., Jin, X., Wan, P., Sun, J., Tao, J., Zhang, S., Zhang, G. & Shan, C. (2021). Augmentative and alternative communication intervention for in-patient individuals with post-stroke aphasia: study protocol of a parallel-group, pragmatic randomized controlled trial. Trials 22:837. https://doi.org/10.1186/s13063-021-05799-0

Mitchell, C., Gittins, M., Tyson, S., Vail, A., Conroy, P., Paley, L. & Bowen, A. (2021). Prevalence of aphasia and dysarthria among inpatient stroke survivors: describing the polulation, therapy provision and outcomes on discharge. Aphasiology, 35(7), 950-960. https://doi.org/10.1080/02687038.2020.1759772

Preetha, U. M. & Perumal, R. C. (2022). Quality of Communication Life (QoCL) In Persons with Expressive Aphasia With And Without Communication Intervention – A Comparative Study. Neurology India, 70(3):1125-30. https://doi.org/10.4103/0028-3886.349635

Russo, M. J., Prodan, V., Meda, N. N., Carcavallo, L., Muracioli, A., Sabe, L., Bonamico, L., Allegri, R. F. & Olmos, L. (2017). High-technology augmentative comunication for adults with post-stroke aphasia: a systematic review. Expert Review of Medical Devices, 14(5), 355-370. http://dx.doi.org/10.1080/17434440.2017.1324291

Schneider, B., Wehmeyer, M. & Grötzbach, H. (2014). Aphasie: Wege aus dem Sprachdschungel. In M. M. Thiel, C. Frauer & S. Weber (Hrsg.), Praxiswissen Logopädie. Springer.

Shrubsole, K., Power, E. & Hallé, M.-C. (2022). Communication partner training with familiar partners of people with aphasia: A systematic review and sythesis of barriers and facilitators to implementation. International Journal of Language & Communication Disorders, 58(2):601-628. https://doi.org/10.1111/1460-6984.12805