Kaffee statt Tee, weil die richtigen Worte fehlen. Oder keine Möglichkeit zu sagen, dass man auf die Toilette muss. Für Menschen mit Aphasie gehören solche Situationen zum Alltag. Im Forschungsprojekt CAPA wollen wir genauer wissen: Wo genau wird Kommunikation schwierig, und was muss eine gute Kommunikationshilfe können?
Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, meist nach einem Schlaganfall. Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben können betroffen sein. Das wirkt sich auf Beziehungen aus und führt nicht selten zu sozialem Rückzug.
Wir haben die gefragt, die es wissen
Für unsere Studie haben wir drei Perspektiven zusammengebracht. In Online-Umfragen haben 43 Menschen mit Aphasie, 36 Angehörige und 44 Sprachtherapeut:innen Auskunft gegeben. Zusätzlich haben wir zehn Sprachtherapeut:innen interviewt, die in Kliniken arbeiten.
Die Ergebnisse hat unsere Forschungspraktikantin Sophia Langenfeld als Poster auf der GAB-Tagung 2026 vorgestellt (s. Foto).
Was wir herausgefunden haben
Im Alltag sind vor allem Gespräche mit wenig vertrauten Personen schwierig, etwa beim Einkaufen oder auf Behörden. Ähnlich herausfordernd sind Themen, die sich schwer vorhersehen lassen, wie Gefühle oder Erlebnisse. Damit bestätigen unsere Daten frühere Studien.
In der Klinik geht es oft um Grundlegendes: Bedürfnisse äußern, den Therapieplan verstehen, das Essen auswählen. Dazu kommen Zeitdruck, Fachbegriffe und Sprachbarrieren beim Klinikpersonal. Angehörige und Therapeut:innen werden dabei häufig zu Vermittler:innen. Aus einem der Interviews:
„Wenn sie auf Toilette müssen und können das nicht äußern, da verzweifeln dann viele.“
Sprachtherapeutin
Bisherige Kommunikationshilfen passen oft nicht. Kommunikationsbücher und Tafeln sind aufwendig und wenig flexibel, elektronische Talker gelten als zu komplex. Die Kommunikation wirkt dadurch unnatürlich und dauert lange. Positiv: Viele nutzen bereits das Smartphone, etwa um Fotos zu zeigen, auch ältere Menschen.
„Dann kriegen die so ein tolles Gerät, die Kasse bezahlt es. […] liegt es halt wieder irgendwo rum und wird dann doch nicht genutzt. Weil es eben einfach so unnatürlich ist.“
Sprachtherapeutin
Was eine neue Kommunikationshilfe können muss
Aus den Antworten ergibt sich ein klares Bild. Eine Kommunikationshilfe, die wirklich im Alltag ankommt, sollte:
- einfach, intuitiv und selbsterklärend sein,
- auch im Gespräch mit wenig vertrauten Personen funktionieren,
- flexibel zu ganz unterschiedlichen Themen passen, in der Klinik etwa beim Erklären von Fachbegriffen,
- sich persönlich anpassen lassen, auf Wunsch sogar mit der eigenen Stimme,
- KI-Hilfen bieten, die zum individuellen Störungsprofil passen.
Genau daran arbeiten wir
Im Projekt CAPA entwickeln wir bei neolexon eine mobile Kommunikationshilfe mit KI. Sie soll Menschen mit Aphasie sowohl beim Sprachverstehen als auch beim Äußern eigener Bedürfnisse unterstützen. Ein Beispiel: Fragt jemand „Was möchtest du frühstücken?“, zeigt die App passende Antwortoptionen als Bilder an und bietet individuelle Hilfen, bis die Antwort steht.
Erstautorin der Studie ist Lena Werner, die Projektleitung liegt bei Dr. Theresa Schölderle. CAPA ist ein gemeinsames Projekt von neolexon (Limedix GmbH), dem Fraunhofer IPA, dem Fraunhofer IDMT und dem Johanniter-Krankenhaus Stendal. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, betreut durch das VDI Technologiezentrum.
Wir danken allen, die an den Umfragen und Interviews teilgenommen haben sowie den Co-Autor:innen.
Foto: Sophia Langenfeld
